Das Knistern im Walde… 

In der frühen Phase von Start-ups verhalten sich alle Kapitalgeber wie scheue Rehe, wenn es um die Finanzierung von ersten Ideen geht. Die Risiken für Geldgeber sind einfach sehr hoch. In der Pre-seed-Phase, in der das Team aus Ideen Lösungen erarbeitet, gibt es naturgemäß noch keine Antworten auf die eigentlichen Fragen: Kann das Team tatsächlich ein stabiles Business aufbauen und wenn ja, wie? So ist es nicht weiter verwunderlich, dass unbeantwortete kritische Fragen wie das Knistern im Walde wirken: Das Reh wird hellhörig und verschwindet lieber.

Wir hatten keine Chance, also nutzen wir sie!

Start-ups wären nicht Start-ups, wenn sie mit diesen Bedingungen nicht kreativ umgehen könnten. Die Kernfragen lauten, für was das Kapital benötigt wird und wie wenig es minimal sein darf. Sozusagen eine Minimal Viable Organisation zu Minimal Viable Costs (MVC).
MVC erfordert ein wenig Rechnen und das Durchspielen von Szenarien ausgehend von der Leitfrage: Welche Antworten muss das Start-up geben können, damit es nicht zu dem Knistern im Walde kommt? Jedes Start-up ist hier anders, allerdings kann man allgemeingültig die folgenden Fragen heranziehen:

  • Kann das Produkt/der Service ohne Qualitätsverlust skaliert werden?
  • Funktioniert das Team bzgl. der Effektivität (das Richtige tun) und der Effizienz (es richtig tun)?
  • Bewähren sich die Preismodelle im Hinblick auf Kundenakquisition und -bindung sowie enthaltene Margen?

MVC ist eine kleine Herausforderung, die sich allerdings lohnt. Es schärft den Fokus auf die für die Gründer*innen relevanteste Frage: Ist der Aufbau des Unternehmens tatsächlich machbar?
Auch die privaten Lebenshaltungskosten sollten MVC sein. Ein hipster-minimalistischer bzw. schwäbisch-bescheidener sowie preußisch-disziplinierter Lebensstil in der Aufbauphase sind sehr gesund.
Denn merke: Jede 10 Tausend Euro weniger Kapitalbedarf bedeutet auch weniger zu zahlende Zinsen, weniger Anteile abgeben, weniger Abhängigkeit von Förderungen und Spenden.

Show me the money: Woher kommt das Geld?

Als Faustregel gilt: je weniger Kapital das Stat-up benötigt, desto niedrigschwelliger ist die Ansprache von Kapitalgebern.
Gemeinnützige Organisationen haben es erfahrungsgemäß in der Pre-Speed-Phase etwas leichter als gewinnorientierte Start-ups. Stiftungen und Spender*innen sind in der Frühphase als Unterstützung etabliert und können mit kleinen Budgets kurzfristig helfen.
Auch Crowdfunding etabliert sich immer mehr. Gerade in der frühen Phase ist eine gut gemachte Kampagne eine sinnvolle Ergänzung der Finanzierung. Aber Obacht: Schnellschüsse sind nicht ratsam. Eine erfolgreiche Kampagne erfordert dem Team einige Arbeit ab – in der Vorbereitung, während der Kampagne und danach. Außerdem muss gerade bei ‚reward based crowdfunding‘ gut gerechnet werden, damit nach Abzug der Kosten der Kampagne und der „Geschenke“ auch noch genügend Cash hängen bleibt.

KfW-Startgeld eignet sich für Start-ups, die (a) einen guten Draht zu ihrer Hausbank haben und (b) wenn laut dem Business Plan nach ein bis zwei Jahren ausreichend Umsätze realisiert werden können, um den Kredit zu bezahlen.
Impact Angels sind nach wie vor rar. Begegnen kann man ihnen beispielsweise auf einschlägigen Veranstaltungen. Meistens läuft es jedoch erfolgreicher über Empfehlungen. Das impliziert lange Suchzeiten und viel Überzeugungsaufwand. Impact Collective steht im Kontakt mit Impact Angel-Netzwerken, ein Zugang kann über eine erfolgreiche Bewerbung für das Programm hergestellt werden. Jetzt bewerben!

There is no free lunch: mit Team und Konzept überzeugen

Egal, wen man als Start-up anspricht: Ein überzeugendes Konzept und Team sind die Schlüssel, um einen erfolgreichen Kontakt herzustellen und langfristig zu etablieren.